„Von den Kängurus lernen“
... Dabei macht erst dieses Angebot eine echte Integration der betroffenen Kinder erst möglich. Diese Arbeit kann man nicht hoch genug einschätzen“, begründete der Minister sein Kommen.
Seit 2007 kümmert sich das 30 Frau starke Team der Kängurus um die ambulante Betreuung von Kindern, die zu früh geboren wurden, entwicklungsverzögert oder chronisch erkrankt sind, von besonderen Risiken bedroht werden, sich nach einer Operation erholen oder einfach akut erkrankt sind. „Sicher haben Kinder in diesen Lebenssituationen immer zunächst ihre Eltern oder Geschwister als Haltgeber und Helfer an ihrer Seite. Manchmal übersteigen die Anforderungen aber sowohl die fachliche Kompetenz als auch die Belastungsgrenze. An diesem Punkt können wir entlasten und Mut und Zuversicht vermitteln“, beschreibt Maresi Spee das Zusammenwirken zwischen Familie und Ambulanter Kinderkrankenpflege.
Genau dieses „Mutmachen“ imponiert auch dem Minister. „Wir brauchen Einrichtungen, die Familien den nötigen Rückhalt geben, um auch mit solchen Handicaps zurechtzukommen.“ Und damit die Familien schon bei der Auswahl des Pflegedienstes ein “sicheres Gefühl“ haben, hat die „Kooperation für Transparenz und Qualität im Gesundheitswesen (KTQ)“ den Kängurus ganz tief in den Beutel geschaut. „Unser Prüferteam hat die Faktoren Patienten- und Mitarbeiterorientierung, Sicherheit, das Informationswesen und natürlich das Qualitätsmanagement eingehend untersucht. Bei den Kängurus passt einfach alles: Eltern und Kinder sind in alle Prozesse eingebunden. Die kleinen Patienten stehen im Vordergrund“, so das Lob der KTQ-Chefin.
Dies gilt auch und insbesondere für die Intensivpflege bis hin zur 24-Stunden-Betreuung. Im Schichtdienst wechseln sich dann die ausgebildeten Kinderkrankenschwestern der Kängurus ab. Zu jedem Wechsel gehört eine Übergabe, bei der sich die Schwestern über die letzten Stunden austauschen. Immer ist so eine optimal informierte Mitarbeiterin in unmittelbarer Nähe zum Kind und kann zu jedem Zeitpunkt helfend oder sogar rettend eingreifen. Medikamente werden verteilt, Spritzen gesetzt und mit beatmeten Kinder z.B. regelmäßig inhaliert. „Die Kinder können ihre Beschwerden ja häufig nicht äußern. Die Vitalwerte werden deshalb in der Regel durch Monitore überwacht. Eine solche Aufgabe und Verantwortung kann man Eltern gar nicht übertragen“, weiß Maresi Spee, die mit ihrem Team aber immer auch daraufhin arbeitet, die Familien in der Betreuung ihrer Kinder zu größtmöglicher Eigenständigkeit anzuleiten. „So wie beim einjährigen Mika, der mit einer schweren Herzerkrankung geboren wurde und nach langem Krankenhausaufenthalt nun sechs Stunden täglich von den Kängurus besucht wird. Überprüfung der Vitalfunktionen, regelmäßiges Abhören, Hilfestellung beim Inhalieren und Medikamentengabe – für Mikas Mutter allein wäre dies nicht zu schaffen. Nur am Wochenende übernimmt sie die Aufgabe selbständig. „Und dass ich mir das überhaupt zutraue, ist auch ein Verdienst der Kängurus.“
Trotz der gewaltigen Anstrengungen, die bei der häuslichen Pflege von intensivmedizinisch betreuten Kindern auftreten, ist Maresi Spee von den Vorteilen überzeugt. „Die Alternative zur ambulanten Intensivbetreuung wäre eine dauerhafte stationäre Behandlung in einem Krankenhaus oder Heim. In weiten Teilen isoliert von der Familie, insbesondere von den Geschwistern und in einer bei allen Bemühungen moderner Kinderkliniken unpersönlicheren Atmosphäre. Wissenschaftliche Studien betonen die zunehmende Bedeutung der ambulanten Pflege, vor allem vor dem Hintergrund der Lebensqualität.“
Wichtig für die kontinuierliche Entwicklung: Die logopädischen oder ergotherapeutischen Übungen werden gewissenhaft durchgeführt. Und von den Kängurus betreute Kinder können sogar ihrer Schulpflicht nachkommen. Dabei wird von den Känguru-Schwestern nicht nur große Fachkompetenz verlangt. „Unsere Kolleginnen sind alle sehr erfahrene, examinierte Kinderkrankenschwestern und zeichnen sich durch ein ausgeprägtes Einfühlungsvermögen aus. Und durch einen Teamgeist, der auch bei den KTQ-Prüfern einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen hat. „Man konnte durchaus den Eindruck gewinnen, dass ihnen die Zertifizierung trotz aller Anstrengungen auch Freude gemacht hat“, bemerkt Gesine Dannenmaier und erhält von der Känguru-Chefin Bestätigung: „Das war nicht so trocken wie es klingt. Wir hatten tatsächlich auch viel Spaß dabei und den Blick letztlich immer auf die Vorteile für die uns anvertrauten Kinder.“

